Was bedeutet Capoeira?
 

Ist es Spiel, ist es Kampf, ist es Akrobatik oder ist es Tanz? Es ist all das zu gleicher Zeit. Es ist ein Kampf, der sich als Tanz ausgibt. Es ist ein Spiel mit großer Körpergewandtheit, Schönheit aber auch Heimtücke und Boshaftigkeit.
Das Capoeiraspiel wird von verschiedenen Musikinstrumenten (Berimbau, Pandeiro, Atabaque), von Gesang und von rhythmischem Händeklatschen begleitet. Capoeira bedeutet Angriff, Verteidigung und Gegenangriff. Es ist eine Sportart bei der alle Muskelpartien des Körpers, sowie Seele und Geist trainiert werden. Es ist die einzige sportliche Disziplin aus Brasilien, die sehr stark in der Kultur verwurzelt ist.


Die Herkunft der Capoeira

Zunächst einmal ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Finanz-minister Rui Barbosa zur Regierungszeit von Deodoro da Fonseca die Verbrennung von allen Dokumenten anordnete, die mit der Sklaverei zu tun hatten. Die Anordnung wurde damit begründet, dass diese Dokumente ein Zeugnis der nationalen Schande im Hinblick auf die Sklaverei seien. Aus diesem Grund ist es schwierig, die genaue Herkunft der Capoeira zu bestimmen, weil alle Informationen nur aus mündlichen Überlieferungen hervorgehen.
Viele Forscher glauben, dass die Ursprünge der Capoeira in Afrika liegen und dieser Kampftanz von den schwarzen Angolanern in der Zeit der Sklaverei nach Brasilien gebracht wurde, wo er zur Capoeira weiterentwickelt wurde.
Im Süden Angolas liegt die Insel Lubango. In einem kleinen Dorf lebte ein Volk, dass Mucopes genannt wurde. In der Paarungszeit der Zebras konnte man dort heftige Kämpfe der Männchen beobachten, mit dem Ziel die Weibchen zu beeindrucken. Die jungen Kämpfer der Mucopes imitierten nun dieses Ritual, welches sie N'Golo nannten.
Einmal im Jahr wurde ein großes Fest für die jungen Frauen des Volkes veranstaltet, die im heiratsfähigen Alter waren. Sie bekamen diejenigen Krieger zum Mann, die sich am besten in der Kampftechnik des N'Golo bewiesen.
In der Zeit der Sklaverei kam die Kampftechnik N'Golo mit den afrikanischen Sklaven nach Brasilien. Die Sklaven stellten fest, dass sie die Bewegungen des N'Golo auch als Befreiungskampf gegen die schlechte Behandlung der weißen Gutsherren einsetzen konnten.


Der Name "Capoeira"

"Capoeira" kommt aus der Tupi-Sprache und heißt "niedriger Busch". In der Zeit der Quilombos bekam dieses Wort seine heutige Bedeutung: Die schwarzen Sklaven flüchteten sich in den niedrigen Busch und trugen dort blutige Kämpfe mit ihren weißen Gutsherren aus. Von dem Zeitpunkt an trägt dieser Kampftanz den Namen "Capoeira".


Der berühmte Mestre Pastinha

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass die "Capoeira de Angola" (Capoeira aus Angola) die zuerst praktizierte Form darstellt und somit häufig als traditionelle Form der Capoeira beschrieben wird. Sie besteht aus geschickten, spielerischen aber auch hinterlistigen Bewegungen.
Vicente Ferreira Pastinha wurde am 05.04.1889 in Salvador/Bahia geboren. Er war der Sohn von José Pastinha, dem spanischen Nachkomme und Besitzer eines kleinen Geschäfts und von Raimunda dos Santos, einer Schwarzen die in Santo Amaro da Purificação geboren wurde, zu der er jedoch wenig Kontakt hatte, da er bei seinem Vater aufwuchs.
Im Alter von acht Jahren trug Pastinha oft kleine Kämpfe mit einem anderen Jungen aus, bei denen er immer den Kürzeren zog. Von einem Fenster aus wurde der Kampf zwischen den beiden von einem Afrikaner beobachtet, der Mestre Benedito hieß. Eines Tages hatte dieser Mitleid mit Pastinha. Er rief ihn zu sich und bot ihm an, ihn in einer Kampftechnik zu unterrichten, mit der er sich gegen den anderen Jungen wehren könne. Nach einem Jahr bei Mestre Benedito hatte Pastinha so viel gelernt, dass er dem anderen Jungen überlegen war.
Mit zwölf Jahren ging er in die Lehrlingsschule der Marine, wo er seine Kollegen in der Kampftechnik der Capoeira unterrichtete.
1910 eröffnete Pastinha seine erste Capoeiraschule. 1966 vertrat er Brasilien beim ersten "Festival da Arte Negra" (Festival der schwarzen Künste) in Dakar (Senegal).
Ende 1979 erlitt er einen Schlaganfall und nach einem einjährigen Aufenthalt in einem staatlichen Krankenhaus wurde er in das Dom Pedro II Altenheim verlegt.
Am 13.11.1981 starb er im Alter von 92 Jahren, verarmt, blind und vom Rest der Welt vergessen, einer der größten Namen in der Geschichte der Capoeira: Vicente Ferreira Pastinha.

"Ein guter Capoeirista ist der, der sich von der Seele leiten lässt."
(Mestre Pastinha)


Der berühmte Meste Bimba

Manuel dos Reis Machado wurde im Jahre 1899 in Salvador/Bahia geboren. Er bekam den Spitznamen "Bimba" aufgrund eines Scherzes, den die Hebamme mit seiner Mutter machte. Alle hatten erwartet, dass seine Mutter ein Mädchen zur Welt bringen würde, aber bei der Geburt stellte sich heraus, dass es ein Junge war, worauf die Hebamme "Bimba!" ausrief.
Bimba lernte Capoeira bei einem Afrikaner aus Angola, der "Bentinho" genannt wurde.
Zudem wurde er von seinem Vater in einem Kampfsport unterrichtet, der sich "Batuque" nannte und den Bimbas Vater lange Zeit ausübte.
Im Laufe der Zeit versuchte Bimba die Capoeira so zu verändern, dass sie eine stärkere Kampfeskraft hatte. Er arbeitete verschiedene Bewegungen ein, die der Kampfsportart seines Vaters glichen, mit gefährlichen Schlägen und Tritten und einigen Tricks, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. So entstand ca. 1928 die "Capoeira Regional".
Bimba war nicht nur dafür zuständig, dass die Capoeira als Kampftechnik anerkannt wurde. Er begründete auch die erste Methode die Capoeira zu unterrichten, mit verschiedenen Unterrichtssequenzen, die dem Schüler halfen, die fundamentalen Bewegungen der Capoeira zu erlernen.
Im Jahre 1932 gründete er seine erste Capoeiraschule, die offiziell in Salvador unter dem Namen "Centro de Cultura Física e Capoeira Regional da Bahia" registriert wurde.
Mit der Zeit hatte die Capoeira Regional starken Zuwachs und Bimba zog mit seiner Schule nach Goiás. Ein paar Jahre später erkrankte er und starb schließlich 1974. Er hinterließ die Capoeira Regional, die heute auf der ganzen Welt zu finden ist.

  • -"Versuche immer die "Ginga" zu machen,
  • -habe keine Angst dich deinem Gegner zu nähern,
  • -versuche deinen Körper zu entspannen,
  • -es ist besser in der "Roda" verprügelt zu werden, als auf der -Straße."

-----(Mestre Bimba)


Wissenswertes in Kürze

  1. Berimbau: wichtigstes Instrument in der Capoeira; es gibt dem Capoeirista den Rhythmus an.

  2. Sampaio Ferraz: Begründer des Gesetzes Nr. 487, welches am 11.10.1890 in Kraft trat und die Ausübung der Capoeira mit zwei bis sechs Monaten Zwangsarbeit auf der Insel Fernando de Noronha bestrafte.

  3. Burumbumba: dies ist der Name, mit welchem das Berimbau in Kuba bekannt ist, wo es zu Wahrsageritualen benutzt wird, bei denen Geister beschworen werden.

  4. Atabaque: dieses Instrument wurde häufig von mittelalterlichen Dichtern benutzt und war in den Königshäusern sehr beliebt; es war in Afrika weit verbreitet, wurde aber zufolge des Historikers Waldeloir do Rego von den Portugiesen mit nach Brasilien gebracht.

  5. Popó: er war für die Wiedergeburt des Maculelê verantwortlich. 1944 versammelte er seine Söhne, Verwandten und Freunde um sie die Tanz- und Kampftechnik zu unterrichten, die er bei den Schwarzen des Volksstammes Malés in Afrika gelernt hatte.