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Mit ca. zehn oder elf Jahren lernte Paulo zum ersten Mal
einen Capoeira-Meister kennen. Er hieß João de Barros
und war Leiter einer folkloristischen Gruppe ("Grupo Folclórico
João de Barros"), in der auch Paulos Onkel arbeitete. Sein
Onkel war zudem in vielen anderen Gruppen tätig, wie zum Beispiel
der des berühmten Mestre ("Meister") Dinho, Evandro
und Badaró und reiste mit ihnen in mehrere brasilianische
Städte und ins Ausland (Europa und die USA).
Von Zeit zu Zeit kamen vier Capoeiristas, Freunde seines Onkels, zu Besuch.
Es waren Dimola (aber nicht der berühmte Dimola vom Mercado
Modelo), Val, Maguila und Caboquinho, die heute alle
nicht mehr in Brasilien leben. Manchmal hinterließen sie nur eine
Nachricht, die Paulo seinem Onkel ausrichten sollte. Er sollte mitteilen,
dass Val, Caboquinho und Maguila da gewesen wären und nun am Strand
trainieren würden. Da sich das Haus von Paulos Großmutter direkt
am Strand befand, beobachtete Paulo die drei immer vom Fenster aus, wie
sie die unglaublichen Bewegungen der Capoeira und die perfekten Saltos
machten. Und Paulo wollte so sein wie sie. Aber er hatte nicht die Möglichkeit,
diese Kunst, die er sehr bewunderte, auszuüben. Capoeira war in dieser
Zeit noch sehr verrufen und seine Großmutter hätte ihm niemals
erlaubt, an solch einem Training teilzunehmen. Paulos Onkel nahm ihn immer
wieder mit zu Auftritten und Proben, fragte ihn jedoch niemals, ob er
Capoeira trainieren wolle.
Jedes Wochenende war Paulo glücklich, weil dies die Zeit war, um
zum Strand zu gehen. Und natürlich versuchte er, ein paar der Bewegungen
nachzuahmen, die er zuvor am Fenster beobachtet hatte. Aber alleine, ohne
einen Capoeirista, der ihn unterrichtete, war es sehr schwer.
Die erste Begegnung mit einem Kampfsport
Die Zeit verging und Paulo zog zu seiner Patentante und deren Mann. Sein
Patenonkel war der erste, der ihn mit dem Kampfsport Karate bekannt
machte. Damals hatte dieser den dritten Dan und war Paulos erster Meister.
Er unterrichtete in einem Fitnessstudio in Camaçarí.
Doch selbst in der Zeit in der Paulo Karate trainierte, vergaß er
doch niemals Capoeira. Er widmete sich mit großem Eifer dem Karate-Training
und schon als er den gelben Gürtel besaß, erlangte er in einem
Wettkampf den dritten Platz.
Bei einem weiteren Wettkampf wurde ihm in Folge eines gewalttätigen
Trittes ein Bein gebrochen und damit war für Paulo das Kapitel Karate
beendet.
Der Wandel in Paulos Leben
Nach dem Tod seiner Großmutter zog er zu seiner Mutter, die in dieser
Zeit noch sehr arm war. Er musste sogar Picolé (Eis am Stiel) verkaufen,
um seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Das Leben war nicht leicht für ihn. Kurze Zeit zuvor hatte es ihm
noch an nichts gemangelt, und nun hatte er gar nichts mehr. Er lebte in
einem sehr gefährlichen Viertel und lernte die dunklen Seiten des
Lebens kennen. Aber auch in dieser schwierigen Situation ließ er
seine schulische Laufbahn nicht schleifen. Er arbeitete tagsüber
und besuchte eine Abendschule. Obwohl es in seiner Umgebung üblich
war, ließ er sich niemals in Drogendelikte oder Überfälle
verwickeln.
Auf dem Weg zu einem Capoeirista
In dieser Zeit lernte Paulo eine Frau kennen, die heute Mutter seiner
Tochter ist. Ihr Schwager Neto lud Paulo eines Tages ein, zu seinem
Capoeira-Training zu kommen. Da Paulo nicht über die finanziellen
Mittel verfügte, ließ ihn der Capoeirameister Iran zunächst
kostenlos trainieren.
Nun war er glücklich, weil dies seine erste Möglichkeit war,
die Kunst zu trainieren, von der er immer geträumt hatte.
Am Tag seiner ersten Unterrichtsstunde ging er noch davon aus, dass Capoeira
für ihn nicht allzu schwer sein würde, da ihm schon viele Bewegungen
dieses Kampftanzes geläufig waren. Er hatte jedoch nicht bedacht,
dass er immer nur Zuschauer gewesen war und es selbst noch nie praktiziert
hatte. Nach seiner ersten Stunde hatte sich seine Meinung geändert
und er verstand, dass Capoeira eine sehr komplexe Kunst ist.
Heute ist er Mestre Neto und Mestre Iran sehr dankbar, weil sie ihn auf
den Weg der Capoeira gebracht haben.
Paulo trainierte fast zwei Jahre mit der Gruppe Aliba-Obá
von Mestre Neto. Danach wurde er von verschiedenen Lehrern und Meistern
unterrichtet, bis er schließlich zu Prof. Edmundo und der
Gruppe System kam. Diese Gruppe gehört zu Brilha Bahia
von Mestre Zeú, der der Meister von vielen Capoeiristas
ist.
Später entstand die Gruppe Nação Capoeira, der
sich Mestre Zeú und alle seine Schüler anschlossen.
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